Ausstellung anläßlich des 3. Internationalen Symposions der operativen Andrologie, Galerie Wewerka Edition, 1984, Berlin

Bilder - Skulpturen - Objekte

Vorwort von Dieter Biewald

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Die so zusammengetragene Ausstellung reicht von künstlerisch anmutenden, rein anatomischen und technischen Operationsbildern, von Freyschmidt bis zu nur noch symbolisch ringenden männlichen Körpern, bei denen der Muskel das Zentrum des Machtringens ist, wie ihn Angelika Margull vorstellt. Darin finden sich Arbeiten wie z.B. Wolfgang Nieblichs Andros Logos", die daran erinnern, daß auf den griechischen hölzernen Darstellungen des Gottes Priapus sogenannte Priapea, obszöne oder witzige Aufschriften angebracht wurden, wenn man so will, frühe Graftiti. In den Untergrund der menschlichen Psyche geht mit Sigmund Freud der Maler Lumen mit seinem Bild "Schlange", einem phallischen Traumsymbol, wie auch Gert Neuhaus, der in seinem Beitrag "Goethe-Luther-Hitler" männliche Machtanmaßung vorstellt und phallisch ad absurdum führt. Der Irrgarten der Lüste" von Dirk Sommer, dieses Bild allerdings schon 1983 gemalt, umfaßt auch Teile phallischer Darstellungen des Themas Priapismus, welches durch Javis Lauva's "Ich komme von selbst" genauso typisiert wird wie in Volkmar Haases Plastik "Erektion". Noch deutlicher wird dies in der Kanone von Peter Troester, einem Phallus, der als Kanonenrohr auf eine Laffete aufgesetzt ist. Graben nach den Archetypen kommt nicht nur in Manfred Schlings "Archäa Tristesse" von 1984 zum Ausdruck, sondern ebenso in Klaus Kursawes Plastik "Wassermann" und im "Ikarus" von Bernd Nikolaus, Victor Kraus wie auch Karl Hochland, Nino Malfatti und Michael Carré, Vespeira, Elke Lixfeld und Karl Laudan bemühen sich mit verschiedensten Materialien, dem Thema aus ihrer Sicht näher zu kommen. Und es verwundert nicht, wenn die Aufgabe "Priapismus" von manchen Künstlern nur tangential berührt oder von einem Punkt ausgehend erweitert wird, wie in Paula Schmidts Bild "Die Familie", in Bert Erbes "Griff an den Hosenlatz" vor einer Golgatha-Darstellung oder in Aloys Rump's "zwei Objektkisten", in denen der Lendenschurz, die Verhüllung, das Operations- oder Leichentuch Symbol für diesen medizinischen Kongreß wird. Krankhaft schmerzhafte Erektion eines Betonpenis, wie bei Wolf Vostell, zeigt Härte und Zerbrechlichkeit dieses Materials, Aufschwung und Krankhaftigkeit, Symbol und Monument in einem.

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