Katalog zum Anlaß der Ausstellung in den Hallen der ehemaligen AEG-Fabrik in der Ackerstraße, 1984, Berlin

teilnehmende Künstler: Ilja Heinig
  Elke Lixfeld
  Koichi Ono
  Manfred Schling

Text von Dieter Biewald

Widersprüche 84

In Berlin gibt es viele Ideen. Eine davon, die schon vor Jahren geboren wurde und durch Prof. Dr. Karl J. Thomé-Kozmiensky wieder aufgenommen wurde, ist, Künstler und Wissenschaftler, Techniker und Industrie zu gemeinsamen Aktionen zusammen zu führen. Anlaß der Ausstellung "Widersprüche '84" ist ein Recyclingkongreß, zu dem parallel vom 12.-13.10. die Ausstellung mit 9 Künstlern stattfindet, die im Untertitel Sehnsucht nach dem Schönen' heißt. Die Organisation der Ausstellung wurde dem in Berlin bekannten Galeristen Michael Wewerka übertragen, die Räumlichkeit in der ehemaligen AEG-Fabrik stellte der Technische Direktor der TU, Gottfried Kupsch, zur Verfügung. Alle drei wollten den Kongreß nicht mit Dingen belasten, die sein Thema ausmachen, mit Weggeworfenem, mit nicht mehr Nützlichem, mit aber dennoch Wiederzuverwendendem und Brauchbarem, sondern wollten die Sehnsucht der Kongreßteilnehmer (nach den Mühen des Tages) sich mit Schönem zu beschäftigen, Rechnung tragen und haben nun in den wunderschönen Räumen der Ackerstraße eine Ausstellung arrangiert. 9 Künstler, davon 7 aus Berlin, die durch ihre Videoperformance auf der Biennale in Venedig bekannte Amerikanerin Colette und der aus Bayern stammende Peter Tomschiczek haben sich mit dem Widerspruch Abfall und Ästhetik auseinandergesetzt. Diese acht kann man bei großzügiger Auslegung in zwei Gruppen teilen: Peter Tomschiczek, Manfred Schling, Elke Lixfeld und Ilja Heinig könnte man mit dem Begriff Informel umschreiben, wobei informell vom Text her sagt, daß es sich um Künstler handelt, die mit Chiffren oder Zeichen informieren wollen. Mit Zeichen ihrer Zeit und den dazu gehörenden Informationen wird sich auch der Recyclingkongreß beschäftigen. Die zweite Gruppe: Caroline Dlugos, Colette, Koichi Ono, Ben Wargin und Albrecht Demitz werden sich vor allem mit Materialien auseinandersetzen, Materialensembles herstellen und zeigen, womit sie auch nahe an den Materialien des Kongresses anknüpfen, denn der Kongreß beschäftigt sich mit den verschiedenen in der Gesellschaft nicht mehr gebrauchten Dingen, die umgewandelt werden sollen, um damit wieder nützlich zu werden.

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Manfred Schling, (Jahrgang 1951), Thieler-Schüler und ehemaliger Stipendiat der Karl-Hofer- Gesellschaft, ist ein Meister informeller Zeichengebung. Striche und Chiffren, bei denen man an die Symbole der Dreieinigkeit, an ein Ehepaar, an Pyramiden, an Feuer und Wasserbäche und an Regenbogen erinnert wird, sind besonders ausdrucksstark dargestellt. Durch seine Farben, die mit einer fast klassischen Sensibilität Schicht für Schicht aufgetragen werden, erreicht Schling mit der Benutzung von Marmorstaub und Quarzsand eine Tiefe, die Sehnsüchte, Fernweh und Träume erwecken. Der Pinselstrich ist nicht wie in Form einer wilden Aktion gesetzt, sondern sehr sicher und abgestimmt stellt er damit den Bildinhalt dar. Die Bilder scheinen von den Naturgewalten, vom Regen und vom Sturm, von den Lavaströmen der Vulkane zu handeln, und sind dennoch intellektuell so gemeistert, daß sie harmonisch ausgewogen und ansprechend wirken.

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