Farbe und Material

Die Bilder von Manfred Schling erschließen sich nicht auf den ersten Blick. Ihr Inhalt ist oft von kryptischem Charakter, verborgen unter einer mehrschichtigen reliefartigen Oberfläche, auf der sich Material und Bildidee die Waage halten. Seine Bilder sind weder abstrakt noch gegenständlich, sie erstehen in einer Art Zwischenwelt, in der der Malprozeß selbst zum Thema wird.

Schling hat allerdings den gestischen Farbfluss des Informel eingebunden in beinahe steinerne Strukturen. Sein bevorzugtes Material, das Quarzmehl, verfestigt das Spontane in einer Vielschichtigkeit des Bildaufbaus.

Das schrundig und brüchig aufgetrocknete Material bildet den Grund für die lasierenden und sich widerstehenden Güsse von Öl- und Acrylfarben. Die aufgestäubten Pigmente finden Halt in der aufgerauhten, porösen Oberfläche, werden zur bewegten Struktur. Die oft fragil erscheinende Farbigkeit sickert gleichsam in die Bilder ein, Narben und Risse werden sichtbar. Durch wiederholtes Auftragen und Auswaschen der Farbe entsteht das Bild als Erosion.

Dass dabei auch durchaus Gegenständliches in Erscheinung treten kann, zeigen vor allem die letzteren Bilder, gemalt in seinem Atelier in Pankow, wo Manfred Schling nach einigen Jahren in Chile neuerdings arbeitet. Jedoch die Verweise auf eine äußere reale Welt, -Bogen, Rinden, Schalen, Hütten oder auch Fossile- ,haben immer einen archaischen Charakter.

Die fühlbare Materialität und die sphärische Tonalität des Farbraumes holen den Betrachter in das Spannungsfeld dieser Malerei. Entscheidend bleibt das Verletzliche, die eingegrabene Zeit. Es sind abstrakte Orte, die zur Kontemplation einladen.

Sonja Konrath, aus Messekatalog "Berlin-Art-Tower",6.10. – 10.10.2010