Kölner Stadt-Anzeiger, 17. Mai 1986

Wirkung im Wandel

Manfred Schling stellt in der Galerie Ruchti aus

Die Galerie Ruchti (Hamburger Str. 10) präsentiert im Austausch mit der Berliner Galerie Wewerka den Künstler Manfred Schling. Gezeigt werden Arbeiten aus den Jahren 1981 bis heute. Die Dominanz seiner Bilder liegt in einer blau-braunen Farbigkeit, die sich im Wechselspiel zwischen Linie und Fläche befindet. Breite Pinselstriche, vereinzelt oder in Gruppen, streben schräg über die Leinwand. Diese Linien, stellvertretend für die Fragwürdigkeit der präsenten Materie und diese zugleich formend, stehen im Dialog zu den farbigen Flächen der Leinwand. Ihr reliefartiger Charakter und ihre vermeintlichen Schatten geben dem Betrachter die Illusion eines "Säulengartens" (1984) oder führen ihn "Landeinwärts" (1984).

Marmorstaub, unregelmäßig auf die Fläche der Leinwand verteilt, bildet die Grundlage der Gemälde. Auf ihn werden in mehreren Arbeitsgängen komplementäre Farben aufgetragen, die sich auf der Leinwand zu den dominierenden Farben Blau und Braun mischen. Am Ende eines jeden- Arbeitsganges werden die Farben zum Teil wieder abgewaschen. Durch die fließende Farbe verdichtet sich der Marmorstaub unterschiedlich auf der Leinwand. jedes Bild gewinnt dadurch seine eigene. reliefartige Struktur. Die Farbwirkungen divergieren durch das Zusammenspiel von widerstrebender Materie und transparenter Farbigkeit. Lasurartig aufgetragene Farben lassen die Ölgemälde lichtdurchflutet erscheinen.

Eine Zwiesprache zwischen Titel und Bildern liegt in der Möglichkeit des Betrachters. Sie bieten Anregungen zu Assoziationen und lassen manche Deutung offen, da auch der Künstler im nachhinein Erinnerungen mit den Bildern verband und diese im Titel greifbar werden ließ. Die Aussage oder Wirkung von Fläche und Linie wandeln sich in jedem Gemälde. Die starke Oberflächenstruktur und die verwendete Farbe lassen eine poröse Wand erahnen oder wölben die Fläche zum Raum. Ebenso kann der Betrachter die Elemente der abstrakten Bilder von Manfred Schling auf sich wirken lassen: die Fläche im Dialog mit der Linie. (Ausstellung bis zum 17. Juni, geöffnet Di. - Fr. 14.30 bis 18.30 Uhr, Sa. 10.30 bis 14.00 Uhr)

E.P.