Schwäbische Zeitung, 24. Januar 1987

Eine schöne Überraschung

Manfred Schling zeigt beim Forum Kunst zwölf Arbeiten

Wenig hätte gefehlt und die Türe zu Forum Kunst am Friedrichsplatz wäre heute Abend verschlossen geblieben. Vorstandsmitglied Konrad Binder aus Schramberg bügelte eine Panne in letzter Minute aus und sorgte, dank großem Entgegenkommen eines Berliner Künstlers, für eine andere unerwartete und wahrlich schöne Ausstellung: Manfred Schling zeigt ab heute Abend, 19 Uhr, zwölf seiner Arbeiten.

Diese sind entstanden in einer Mischtechnik. Marie Victoire Friedberg schrieb in einem Katalog darüber: "Bilder, die so sehr vom Blick des Betrachters abhängen, wie die von Manfred Schling, sind selten. In der Tat, sie drängen sich niemals mittels eines Kraftaktes von Farben und Formen auf. ( ... ) Nach der Überwindung einer kurzen Enttäuschung, aufgrund der Abwesenheit eines dramatischen Eklats, erfüllt sich der Blick allmählich mit dem Bild, das nicht aufhört, sich durch ständig wechselnde Wirkungen zu verändern. Sie hängen ab von der inneren Stimmung des Betrachters, vom umgebenden Licht und vor allem von der Komplexität des Wechselspiels der Kräfte auf der Leinwand. Und so begleiten kontinuierlich Überraschungen diese scheinbar monotonen Bilder (...)

Die Bilder von Manfred Schling reihen sich natürlich ein in die Tradition der abstrakten Malerei, aber sie geben ihr eine neue Sinnrichtung - die einer melancholischen und einfachen Erzählung fundamentaler Ereignisse allen Lebens. (...) Ersonnen und realisiert in Berlin, vielleicht im Widerspruch zu einer Stadt, wo das Leben stärker pulsiert, weil es bedroht ist, bilden Schlings Arbeiten ein Gegengewicht zur jungen und explosiven Tradition der Neuen Wilden. Seine Bilder sagen uns: Es gibt eine andere Art zu sehen und zu fühlen, weniger aggressiv, weniger spektakulär, aber stiller und tiefdringender."

Manfred Schling wurde 1951 in Bad Salzuflen geboren und besuchte von 1972 bis 1979 die Hochschule der Künste in Berlin. Er gehörte zur Klasse von Fred Thieler, der vor Jahren ebenfalls im Forum Kunst ausgestellt hat und unlängst für "art et cuisine" in Rottweil an einer Edition mitwirkte. 1980 bis 1981 war der Meisterschüler Schling Stipendiat der. Karl-Hofer-Gesellschaft.

Für seine Bilder verwendet er Leim und Ölfarben, aber auch grobkörniges Material, welches das Licht reflektiert. Zu verschiedenen Tageszeiten entstehen dadurch verschiedene Wirkungen.