Tagesspiegel, 16. Mai 1990

Ins Himmelgraue

Manfred Schling in der Galerie Scanart

Dem farbigen Strom und Fluss, der zurückhaltend getönten Fläche gilt die Aufmerksamkeit. Behutsam geballt vorbeiziehende Zeichen und Schatten bringt der Maler Manfred Schling zur Ansicht. Und eine Tonlage aus gemischten und gedeckten Farben verbindet seine Arbeiten, lässt sie als zusammengehörige Reihe erscheinen. Meist graublau und graubraun zeigen sich die Stücke, und auch bei allerneuesten Arbeiten bleibt es dabei.

Nur kommen sie entrückter, gleichsam kosmisch daher. Leicht gefleckte und gepunktete Farbzüge erinnern an Kometenaufstieg und -sturz. Als Thieler-Schüler mit Feinheiten tachistischer Malerei vertraut, lässt Schling nahezu brausende Milchstraßenzüge sehen. Dunkle Strichbündel wirken inmitten gedrängter Farbstöße als Kern und Richtungsweiser, steuern und stabilisieren farbige Schübe. Seine Malerei wurde in letzter Zeit konzentrierter, trotz sphärischer Leichtigkeit gewannen bildhafte Bereiche an Dichte.

Einmal taucht eine „Kleine Melancholie» auf. Zuweilen versucht Schling, der aus Bad Salzuflen nach Berlin kam, hier Hofer-Stipendiat wurde, seiner Kunstwelt farbige Gestimmtheit zu geben. War er einst mit dunklen, herben Schwüngen „On the road", setzt er nun zum Höhenflug an, nimmt mit himmelgrauen Farben weltraumhaft anmutende Vorgänge wahr (Galerie Scanart, Fasanenstraße 41 A, bis 16. Juni; Dienstag bis Freitag 14 Uhr 30 bis 18 Uhr 30, Sonnabend 11 bis 14 Uhr).

W. L.