Mindener Morgenblatt, 17. November 1999

Prozesse der Verwitterung

Ausstellung mit Papierarbeiten des Künstlers Manfred Schling aus Berlin

"Meine Bilder sind eigentlich Verwitterungs-Prozesse auf Papier oder Leinwand", beschreibt der Berliner Künstler Manfred Schling seine Arbeitsweise. Der Begriff Bild greift hier zu kurz, denn Schling schafft mit Quarzmehl und Pigmenten reliefartige Strukturen. In dieses Material lässt er die Farbe hineinfließen. Risse geben den Blick auf mehrere, übereinander liegende Schichten frei. Oft werden die Werke von einer leuchtenden Farbe dominiert, aus denen sich in dunklen oder hellen Farbtönen die Gegenstände herausheben.

"Arbeiten auf Papier" so lautet der schlichte Titel der Ausstellung, die am heutigen Mittwoch um 19 Uhr im Mindener Holiday Inn (Lindenstraße 32) eröffnet wird. Robert Werther, der diese Ausstellung initiiert hat, gibt eine Einführung in das Werk. Bis zum 4. Januar sind die Arbeiten dort in der Halle und im Konferenz-Trakt zu sehen. Er habe für diese Ausstellung einen Ort gesucht, an dem sich zu jeder Zeit Publikum aufhalte, erläutert Werther, der im vergangenen Jahr für die Projektgruppe Stadtjubiläum mehrere Kunst-Präsentationen organisierte. Er verweist damit zugleich auf das Fehlen öffentlicher Räume in Minden, in denen Kunstwerke gezeigt werden können.

Schlings Bilder sind damit erstmals in der Region zu sehen und das, obwohl er 1951 in Bad Salzuflen geboren wurde. Von 1972 bis 1979 studierte er an der Hochschule der Künste in Berlin und war Meisterschüler bei Fred Thieler, der dem Informel nahe steht. Seit Ende des Studiums lebt und arbeitet Schling als freischaffender Künstler in Berlin. Seine Bilder waren bereits in zahlreichen Einzelausstellungen in München, Brüssel, Paris, Köln, Hannover oder Genf zu sehen.

Der informellen Malerei sind auch Schlings Bilder im weitesten Sinne zuzuordnen, obwohl sich der Berliner dem Gegenstand nicht völlig verschließt. Die einfachen Formen entstehen jedoch durch den Malprozess. So tauchen schemenhaft menschliche Figuren auf oder auch ein Vogel kehrt als Motiv mehrfach wieder. Oft sind es aber auch einfache geometrische Formen, deren Bedeutung sich erst über den Titel erschließt, wie etwa Scherbe oder Brandholz. Es sind Bilder, die trotz der bewegten Oberfläche meditative Ruhe ausströmen.

Ursula Koch