Rhein-Zeitung, 01. Dezember 2009

Ausstellung wird poetisch eingenebelt

Die Aktionsgruppe rheinland-pfälzischer Künstler stellt im Haus Metternich aus

Nicht umsonst ist "Der Mond ist aufgegangen" von Matthias Claudius eines der schönsten Abend- und Wiegen-lieder. Und punkgenau zu deren angestrebter Renaissance, an der auch populäre Interpreten emsig mitstricken, wählte die Aktionsgruppe rheinland-pfälzi-scher Künstler (ARK) eine Claudius-Zeile zum Motto ihrer vorweihnachtlichen Ausstellung im Haus Metternich, "… der weiße Nebel wunderbar".

Der wallt nun wirklich durch die Räume, verleiht Bild und Fotos etwas befremdlich Irreales und zugleich Poetisches. Geradezu erschreckend lagert er über den neuesten Arbeiten von Aloys Rump. Über reliefartigen Kompositionen aus Schiefermehl und Marmorstaub. In ihnen setzt sich Rump – in konsequenter Fortführung seines "Staubs der Türme" - mit der iranischen Atomaufrüstung in Ghom auseinander Das wirkt land-schaftsähnlich und sieht bereits nach "The Day After" aus. Weniger aufwühlend, aber zumindest beunruhigend ist der Beitrag des Frankfurter Fotografen Jürgen Lecher: eine Hafenszene, gewohnt facettiert, aber durch Unschärfe gezielt "vernebelt" aus einem Kleinbild-Dia ins Wand füllende Format vergrößert.

In einer mehrteiligen malerischen Installation spielt die Mainzerin Christiane Schauder virtuos auf der Klaviatur chromatischer verschwimmender Grautöne. Das lässt an ziehende Nebel denken, die in den digitalen Mittel rhein- Landschaften der in Madrid geborenen Fotografin Isabel Steinhäuser noch an poetischer Präsenz gewinnen.

Der Landschaft widmet sich als Malerin auch Eva Maria Enders. Sie lässt sie in kühlen Grau- und Blautönen auf der Leinwand entstehen, so zart, dass sie sich last entziehen - auch weil die Künstlerin mit wuchtigen schwarzen Balken noch für einen be-wusst verwirrenden Fokus sorgt.

Gleich als "Farbräume" deklariert Jan Schröder einige Mischtechnikarbeiten auf Pappe. Es sind Räume, die durch den Iasierend abgemilderten Kontrast von Heil und Dunkel das Auge magisch anziehen. Rätsel, wie es nicht weniger die gleichfalls in ischtechnik (unter Einsatz etwa von Quarzmehl) geschaffenen Bilder des Manfred Schling sind, die sicher geglaubtes ge-genständliches Terrain gleich wieder durch Übermalung entziehen.

Nicht Nebel, sondern hauch-feine Seide legt sich über die figürlichen Tuschezeichnungen Anja Bogotts. Sie offenbart und verhüllt zugleich weibliche Nackt-heit. Mit Stoff arbeitet auch Sabine Hack in ihrer Installation: mit transparenten Vorhängen, textilen Nebelschwaden, die mit langen, weißen Fäden in den Raum hineinkriechen.

Lieselotte Sauer-Kaulbach