Kulturportal Brandenburg, 29. Juli 2011

AUSSTELLUNG: Genau das richtige Paar

Malerei von Manfred Schling in der Henckel-Villa am Pfingstberg

POTSDAM / NAUENER VORSTADT - Da haben sich zwei zusammengefunden, die so recht nicht harmonieren wollen und dennoch genau das richtige Paar sind: die Villa Henckel und die Gemälde von Manfred Schling. Auferstanden gleich einem Phönix aus grauer Asche jahrzehntelanger Vernachlässigung, zeigt sich die Villa Henckel am Hange des Pfingstberges nach Restauration in strahlendem Weiß und offenbart die strenge Schönheit eines spätklassizistischen Baues.

Vor gut sechs Jahren von der Eigentümergemeinschaft um Springer-Vorstand Mathias Döpfner gekauft und denkmalgerecht rekonstruiert, wurde das Haus zunächst vom 70-jährigen Malerfürsten Markus Lüpertz gemietet. Eine private Kunstakademie sollte einziehen. Doch plötzlich war Lüpertz aus dem Spiel. Vor einem Jahr schließlich eröffnete eine Hochschule für Management. Beim Besuch der Ausstellung in den Räumen der Business School ist die Hausbesichtigung inklusive. Man erlebt erst einmal die Räume, bevor man die Bilder sieht. Schulmobiliar – durchaus gehobenen Standards – unterkühlt die großzügigen Räume erheblich.

Manfred Schlings Gemälde halten dagegen mit ihrer eindringlich emotionalen Ausstrahlung. Erdig gebrochene Farben in Mischtechnik auf Nessel pastos aufgetragen lassen einen Eindruck des Unheimlichen aufkommen. Diese farbig raffiniert in Graustufen gemischten Bildgründe sind nicht bloß Hintergrund für figurative Fragmente in den Kompositionen. Sie sind betont eigenständige Bildrealität. Sie sind der künstlerische Humus, aus dem Tier- und Architekturfragmente herauswachsen. Ein Frauenporträt erscheint wie ein ausgegrabener antiker Torso. Erinnerungen an Anselm Kiefers Malerei der verbrannten Erde lassen sich nicht verdrängen. Manfred Schling studierte in den 1970er Jahren an der Hochschule der Künste in Berlin, verbunden mit einem Studium der Romanistik an der Freien und Technischen Universität. Als Stipendiat der Karl-Hofer-Gesellschaft etablierte er sich seit 1980 als freischaffender Künstler. Drei Jahre lebte und arbeitete Schling in Chile, von wo er 2009 zurückkehrte und sich ein Atelier in Berlin-Pankow einrichtete.

Die Mittagszeit ist nicht die schlechteste Zeit für einen Besuch der Ausstellung, da in dieser Zeit die Räume weitgehend zugänglich sind.

Große Weinmeisterstraße 43a, Zugang über Straße Am Pfingstberg, bis 30. November, Mo.– Fr. 10–16 Uhr. (Von Arno Neumann)