Horizonte

Text von Jörg Plenio, Berlin, Dezember 2022

Traumverweht. Ich höre Meer und Wind rauschen – und lasse mich treiben in meinem Schlingschen Meerespanorama.

Du siehst da keine See, keine Sandbänke – Dein gutes Recht. Diese Bilder sind nicht streng oder rechthaberisch.

Was ist die Realität dieser Bilder? 

Im Schaffensprozess scheidet sich Feuchtes und Hartes, immer wieder, fließend und trocknend. Ablagerungen, reliefartig.

Biblisch, wenn man so will.  

Ablagerungen, Sedimente – Felsen zwischen Gischt und dunstiger Bläue.

Ich liebe es, mich in der Weite dieser Schling-Bilder zu verlieren. Ferne Inseln zu ahnen und zu bewohnen. Oder ganz nah heranzutreten und einen Mikrokosmos zu bestaunen, auch mal vorsichtig zu betasten. Von Ferne und ganz nah – zu jeder Tageszeit, bei jedem Lichtwechsel im Raum, eine neue Entdeckung.

Geronnene Zeit – fließend, trocknend – zu gültigen Formen erstarrt. Die Gesetze, die Aggregatzustände des Materials sind Teil des künstlerischen Prozesses. 

Manfred Schling hat seinen Weg gefunden: Verschmelzung von Natur und Kunst, in der Erforschung und im Spiel mit der Natur des Materials, der Farbpigmente, des Quarzsandes und ihrer Verwirklichung in etwas Neuem. Etwas zunächst Ungeplanten, zumindest nicht Festgelegten und dann, nach und nach, immer entschiedener künstlerisch Gestalteten.

In dieser Kunst steckt so viel Zeit und Wahrheit – Mnemosyne wohnt darin – Erinnerungen blitzen auf, aus diesen urzeitlichen Reliefs aus dem 21. Jahrhundert.