Katalog zum Anlaß der Ausstellung „Images of Shakespeare“ im Kunstforum der Grundkreditbank, 1986, Berlin

Text von Renate Brosch

IMAGES OF SHAKESPEARE
Eine Bilderbühne

Die Idee einer Kunstausstellung entstand in der Planung des 3. Internationalen Shakespeare Kongresses im April 1986 in Berlin. Den zahlreichen auswärtigen Tagungsteilnehmern sollte ein Überblick über das gegenwärtige Geschehen in der Berliner Kunst präsentiert werden, da der Ruf Berlins als pulsierende Kunstmetropole in der letzten Zeit besonders ins englischsprachige Ausland vorgedrungen ist. Der Wunsch, die bildende Kunst in das kulturelle Rahmenprogramm des Shakespeare Kongresses einzubeziehen, lag nahe. Das Motto und Leitmotiv der Tagung - Images of Shakespeare - forderte die Beschäftigung mit visueller Umsetzung seines Werkes geradezu heraus.
Bilder zu Shakespeare sollten zusammengetragen werden. Man dachte an die lange Tradition der Shakespeare-Galerien und erwartete mit Spannung, welche Arbeiten sich wohl heutzutage unter Vorgabe dieser literarischen Assoziation zusammenstellen ließen. Mit dem Ausloben eines einmaligen Shakespeare-Kunstpreises hoffte die Deutsche Shakespeare-Gesellschaft West, Eifer und Beteiligung der Künstler anzuregen, was - wie die Ausstellung beweist - über die Erwartungen hinaus gelungen ist.
Die Auswahl der eingeladenen Künstler war zunächst von dem Wunsch bestimmt, die aktuelle Berliner Kunstlandschaft zu präsentieren, so daß nur in Berlin lebende Künstler in Betracht gezogen wurden. Unter diesen wiederum einerseits die berühmten Namen, die von vornherein mit Berlin assoziiert werden und andererseits Nachwuchskünstler, von denen man hoffen' kann, daß sie den Ruf Berlins als Metropole der Malerei weiterhin prägen werden. Selektion ist natürlich immer umstritten, besonders jene, die sich auf fremdes Fachgebiet wagt. Gegen solche Einwände können wir nur unsere subjekten Vorlieben und Neigungen als Anglisten und Shakespeare-Liebhaber ins Feld führen.

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Text von Wolfgang Max Faust

Totus mundus facit histrionem
Anmerkungen zu IMAGES OF SHAKESPEARE

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Auch diese Ausstellung "Images of Shakespeare" läßt sich auf dieses "Shakespeare in uns allen" beziehen. Doch nur einige Arbeiten in ihr wurden mit einem direkten Bezug zu seiner Dichtung geschaffen. Der größere Teil besteht aus einer Auswahl aus schon vorhandenen Bildern, die unter einem assoziativen Blickwinkel stattfand. Die "lmages of Shakespeare" beziehen sich deshalb vor allem auf die Phantasmen, die über ihn bestehen. Sie entstammen dem "iterativen Gedankenspiel", das für unsere Aktualisierung von Kultur typisch ist. Die Ausstellung stellt die ganze Breite aktueller Malerei in West-Berlin vor, von den "heftigen Malern" bis zur realistischen Tradition, von der abstrakten gestischen Malerei bis zu den Nachfolgern der "Spurensicherung". Sieht man sich die inhaltlichen Fixpunkte dieser Werke an, so stellt man fest, daß sie nur selten spezifische Szenen aus Shakespeares Dichtungen umsetzen oder deuten. Vorherrschend sind thematische Bezüge, deren Zentrum eher in der Suggestion eines emotionalen Klimas liegt. Nachtbilder, Traumszenen, Momente der poetischen Verklärung, Bilder, die Rätsel und Fragen evozieren, stellen die Mitte der Botschaften dar. Poesie und Groteske, Exaltation und (inszenierte) Tragik bilden das Spektrum der gezeigten Phantasmen.

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