Letzeburger Land, 17. Januar 1992

Intensivität und Diskretion

Ölbilder und Papierarbeiten von Manfred Schling in der Galerie La Cité

Mit der Hand anfassen möchte man die Bilder von Manfred Schling. Ihre Oberfläche wird zum Träger eines sehr variablen Reliefs, in dem der Künstler alle seine Sensibilitäten aber auch seine technischen Mittel hineinlegt. Die Kompositionen sind das Resultat einer meditativen Arbeit, die langsam heranreift, sich im Entwicklungsprozeß öfters verändert, bis sie den Zustand erreicht hat, in dem Manfred Schling nichts mehr hinzufügen oder wegnehmen kann.

Wir verfolgen diesen Arbeitsvorgang an manchen Stellen der Kompositionen, teils deutlich, teils verschleiert. Das Konglomerat von Materialien in der Verbindung mit Flüssigem - Öl - oder Wasserfarben - wird schichtenweise aufgetragen und wieder verändert, als ein stetes Experiment der unterschiedlichen Spannungsmomente.

Durch diesen Arbeitsvorgang wird Manfred Schling sozusagen gezwungen, einfache, beinahe archaische Formen in den Bildraum zu setzen. Diese Formen entwickeln eine große Kraft, ihre Gegenwart ist unerschütterlich, als hätte es sie immer gegeben. Sie sind mit dem Bild gewachsen. Diese Formen finden ihren Ursprung oft im Dreieck, in einer Art Halbkugel oder in einem angedeuteten Trapez, und erscheinen manchmal wie aus dem Nichts, als würden sie behutsam entschleiert werden. In diesem Zusammenhang. entstehen trotz der pastosen Malweise, zarte Transparenzen und Farbübergänge.

Wir sind von der Malerei und auch von dem kompositionellen Charakter dieser Bilder fasziniert. Betrachten wir z. Bsp. „Bohem“ (1991) oder „Monolith" (1991), gleicht das eine einem von der Witterung geprägten Stein und das andere riecht nach verbrannter Erde. Gebilde, die tausend Jahre alt sein könnten, in denen jedoch die Vibration der Kreation weiterlebt, sich weiter entwickelt. Die Farben sind verhalten, die Nuancen bewegen sich in der Sphäre von blau, grau und weiß sowie vereinzeltem Rostrot und leichtem Ocker.

Auch die Papierarbeiten sind in Mischtechnik gemalt. Durch die Substanz des Papiers sind sie spontaner, wenn auch hier vielschichtig gearbeitet wurde, Papier hat eben eine ganz besondere Funktion, die schon von sich aus lebendig ist und zu schnelleren Reaktionen führt. Diese Bilder sind irgendwie "nahbarer" im Sinne von Gefühlen, d. h. sie scheinen emotioneller.

Manfred Schling ist kein „lauter" Maler; er sucht die Effekte in der Diskretion, in der zarten Enthüllung der Gefühle und ihrem Ausdruck (Galerie la Cité: 17. 1. - 8. 2.1992)

Elisabeth Vermast